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Bildlexikon work in progress
Collage/Installation, Karin Hoerler, seit 1992

In Bildlexikon handelt es sich um ein parallel zu meinen anderen Arbeiten stattfindendes work in progress. Ich pr√§sentiere die Bl√§tter in Form wandf√ľllender Installationen, die An- zahl und Auswahl der gezeigten Bl√§tter und die Art der H√§ngung sind variabel.
Seit 1982 sammle und archiviere ich Bild- motive. Diese entnehme ich Verpackungen. Ich schneide die Motive aus und l√∂se so die Darstellungen aus ihrem urspr√ľnglichen Kontext heraus, um sie dann seit 1992 auf Karton in verschiedenen DIN-Formaten aufzukleben.
Ich habe inzwischen ein Archiv von 6900 Blättern gewonnen.
Stand Januar 2020

Eröffnungsrede Friedhelm Baumgärtner
Mehr als die Summe
Karin Hoerlers ‚ÄěBildexposition‚Äú in der
Galerie Hafemann

Bildlexikon, Artist/Don Quijote, Kunstverein Aschaffenburg, Karin Hoerler, 2019     Foto: Ella Dreyfus

Bildlexikon, Timelines, Kunstverein Luwigshafen, Karin Hoerler, 2016     Foto: Toni Montana Studios

Bildlexikon, Installationsansicht Galerie Hafemann, Karin Hoerler, 2014                 Foto: Dirk Uebele

Was wir hier an den W√§nden versammelt sehen, kommt uns bekannt vor, einerseits. Dann n√§mlich, wenn man die Arbeiten ein- zeln betrachtet und sich daran erinnert f√ľhlt, den Motiven, die darauf zu sehen sind, so oder so √§hnlich schon mal begegnet zu sein. Und liegt damit ja auch keineswegs falsch. Denn wie leicht zu erkennen ist, handelt es sich bei ihnen um werbetr√§chtig aufgeladene Bilder aus der ganz gew√∂hnlichen Verpak- kungwelt aller m√∂glichen Bereiche unseres Konsums. Nimmt man sie aber, die rund zweitausend verschiedenen Motive, in ihrem fl√§chendeckenden Auftritt wahr, scheinen sie noch etwas Anderes zu sein als das, was sie im Einzelnen sind.
Von diesem Phänomen, das ein allgemeines ist, wusste schon der große Aristoteles; nämlich dass das Ganze mehr noch ist als bloß die Summe seiner Teile.
Was ein solches Mehr allerdings ausmacht, erf√§hrt man nicht durch schlichte Haufen- bildung; darauf hoffend, dass ab einer be- stimmten Menge Materials dessen blo√üe Quantit√§t in jene Qualit√§t umschl√§gt, in der sich das gesuchte Mehr schon von selbst offenbare. Vielmehr k√§me es darauf an, jen- seits solcher Haufenbildung einen geeigne- ten Weg zu finden, auf dem sich dem Mehr auf die Spur kommen lie√üe. Das zu schaf- fen, das w√§re die Kunst, und das ist die Kunst, die der Karin Hoerler, dessen Ergeb- nis wir hier sehen. Etwas, dessen stoffliche Basis auf Einkaufst√ľten abgedruckte Bild- motive sind, wie sie uns hier an den W√§nden eben nicht als Haufen, sondern auf eine be- stimmte Weise √§sthetisch transformiert um- geben; und das zweitausendfach, wie ich schon sagte.
√Ąsthetisch transformiert meint, dass Karin Hoerler die Motive, um es technisch auszu- dr√ľcken, disfunktionalisiert. Das hei√üt, sie schneidet sie aus einem auf Einkaufst√ľten abgedruckten gr√∂√üeren Bild heraus und be- raubt sie damit, nun kontextbefreit, ihres Lenkungscharakters. So treten sie uns, die befreiten Motive, sagen wir erstmal nur an- ders entgegen. Denn sie funktionieren nun nicht mehr innerhalb ihres ihnen einmal zu- gedachten kommerziellen Bestimmungs- zwecks, der da hie√ü zu verlocken.

Fortsetzung Text Friedhelm Baumgärtner

BILDLEXIKON aus Band 1 (100 Blatt je DIN A5), Karin Hoerler, 1992

BILDLEXIKON aus Band 39 (50 Blatt je DIN A5), Karin Hoerler, 2014

BILDLEXIKON aus Band 50 (50 Blatt je DIN A5), Karin Hoerler, 2016

BILDLEXIKON aus Band 60 (50 Blatt je DIN A5), Karin Hoerler, 2017

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